Auch Ableger können schwärmen!

In den letzten Jahren habe ich ja immer wieder über die einfachste Methode Völker zu vermehren berichtet. Mit einem oder zwei gut besetzten Bruträhmchen kann jede Imkerin oder Imker auf einfache Art und Weise ein Jungvolk bilden. Wer dies genauer nachlesen möchte, kann dies hier tun.

Das Jahr 2024 hat ja für die Bienen sehr zeitig begonnen, den wir hatten im April wieder einen Negativrekord in Bezug auf die Temperaturen verzeichnet. Es war der wärmste April seit es Aufzeichnungen gibt. Das bewegte auch die Natur sehr rasch dazu durchzustarten, nur die Bienen hatten noch nicht das Personal für das Nektarsammeln aufbauen können, wie sie es gerne hätten. So viel die Frühtracht in vielen Gebieten sehr spärlich aus und alle warten auf die Waldtracht mit Akazie und Linde. Rund um den 26. April kam dann der Wintereinbruch und wir hatten beinahe -3° C verzeichnet. Damit war auch endgültig das Ende der Obsternte besiegelt. So gut wie alle Marillen, Wallnüsse, Feigen, Kiwi usw. waren kaputt. Die bereits sehr stark ausgeprägten Früchte sind einfach am Baum erfroren. Nur neben der Donau in der Wachau kamen die Landwirte mit einem blauen Auge davon. Dort hielten sich die Schäden in in vielen Obstplantagen in Grenzen.

durch Frost zerstörte Marillen

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Jungvölker sollten erstmalig nach dem ersten Drohnenrahmenschnitt gebildet werden. Sie dienen nicht nur um Völker zu vermehren, sondern auch dazu, um den Schwarmdruck aus den Völkern zu nehmen. Ich wählte dafür das Wochenende um den 27. April. Es war also jenes Wochenende wo wir zuvor den starken Frost hatten. Da ich sicherstellen wollte, dass auch genügend Pflegepersonal mit der Brut in die Ablegerkisten wandert, nahm ich neben zwei Bruträhmchen mit jüngster Brut auch noch etwas Bienenmasse abgeschüttelt vom Drohnenrahmen mit in den Ableger. Sie sollten ja genug Personal für das Wärmen der Brut haben.

Ablergervolk gebildet aus zwei Brutwaben, einer Mittelwand und einem Futterrähmchen

Wie sich jedoch dieses Wochenende herausstelle, war das vielleicht von mir etwas übertrieben. Ich war zufällig am Bienenstand in Arnsdorf in der Wachau und hatte gerade mit der Motorsense die Wiese gemäht. Nachdem ich damit fertig war, stand ich bei meinen Völkern um sie etwas zu beobachten, bevor ich wieder die Heimreise nach getaner Arbeit antrat. Dabei stellte ich fest, dass gegen 11:00 Uhr bei schönstem Wetter doch sehr reges Treiben am Flugloch bei einem meiner Völker zu beobachten war. Im ersten Moment dachte ich mir nichts besonderes dabei, denn bei diesem Wetter war es für mich verständlich, dass die Bienen eifrig am Sammeln sind. Plötzlich wurde die herausströmende Bienenmasse immer mehr, um nicht zu sagen, sie quillten regelrecht beim kleinen Flugloch heraus. Im ersten Moment dachte ich mir, dass wären vielleicht Begleitbienen die mit der Königin auf Hochzeitsflug gehen würden. Der Zeitpunkt und die Witterung war ja für einen Hochzeitsflug optimal gewesen. Tatsächlich handelte es sich jedoch um einen kleinen Ablegerschwarm einer frisch geschlüpften „zweiten Königin“.

Ein Ablegervolk schwärmt mit seiner Jungkönigin aus

Was war da nun passiert?

Leser meines Bienenblock werden ja sicherlich die Berechnungstabelle zur Ablegerbildung kennen (siehe Menü oben). Trägt man in dieser Tabelle den 27.4.2024 als Erstellungsdatum ein, so sieht man, dass am Samstag den 11.5.2024 der Zeitpunkt gekommen ist, wo der Schlupf der Königin prognostiziert werden kann. Herrscht schlechte Witterung zum Zeitpunkt des vor berechneten Zeitpunktes, kann sich dies einige Tage hinauszögern. Die Königinnen bleiben solange in ihrer Zelle und warten den richtigen Zeitpunkt ab, bevor sie den Zelldeckel aufbrechen.

Grundsätzlich ist es ja in einem Ableger so, dass die erste schlüpfende Königin das Recht hat, alle übrigen noch in ihren Zellen abzustechen. Erkennen kann man dies an der Art und Weise wie die übrigbleibenden „Weiselzellen“ auf der Wabe von der Imkerin oder dem Imker vorgefunden werden können, bevor diese endgültig von den Arbeiterinnen abgetragen werden. Sie sind auf der Seite aufgebissen und werden von den Arbeiterinnen ausgeräumt. Schlüpft eine Königin normal, so ist bei dieser Weiselzelle der Zelldeckel sauber geöffnet.

Ist nun in einem Wirtschaftsvolk die Bienenmasse extrem groß, schwärmt nicht nur die Altkönigin vor dem Schlupf der ersten Jungkönigin, sondern auch die eine oder andere noch unbegattete Jungkönigin. Dieser Nachscharm wird auch in der Imkerfachsprache auch als Singerschwarm bezeichnet. Dies geschieht auch meist wenn es während des prognostizierten Königinnenschlupf zu temperaturbedingten Verzögerungen kommt. Meist schlüpfen dann alle Königinnen gleichzeitig und es gelingt der ersten geschlüpften Königin nicht rechtzeitig die anderen abzustechen.

Gleiches gilt natürlich auch für einen zu gut gebildeten Bienenableger. Sind zu viele Bienen in der Ablegerkiste und vernachlässigt der Imker die Erweiterung, so kann es schon vorkommen, dass durch zu stark eingetragene Tracht zu wenig Platz in der Kiste herrscht und eine der neu geschlüpften Königinnen mit einem Teil des Volkes in Form eines Schwarm (Singerschwarm) abgeht. Zurück bleibt eine andere Königin die nun einige Tage später den Hochzeitsflug absolviert und mit der Volksbildung fortsetzt.

So ist es leider auch bei mir geschehen und ich hatte das Glück durch reinen Zufall Zeuge dieses Schauspiels zu sein. Dieses Schauspiel zeigt wieder einmal, dass man auch nach einigen Jahren Imkerei nicht auslernt und immer wieder neue Erfahrungen sammelt. Daher mein Rat: Es reicht, so wie von Dr. Pia Aumeier und Dr. Gerhard Liebig auch immer wieder erklärt wird, mit einer einzigen zu sechs bis sieben Achtel besetzten Brutwabe einen Ableger zu bilden. Herrschen noch kalte Temperaturen im April sollte man nur eine weitere Wabe in den Ableger abschütteln, um das Wärmen der Brut zu unterstützen. Diese Bienen würden dann jedoch nicht mehr schwärmen, da sie aufgrund ihres Alters ohnedies schön langsam vom Volk, vor dem Schlupf der neuen Arbeiterinnen abgehen.

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